Innovative Beschaffung für die Bundeswehr
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3. Dezember 2025
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T. Matysik
Das Verhältnis zwischen Bundeswehr und Industrie ist nicht einfach, so liest man. Die jüngsten Kriege haben aber aufgezeigt, daß industrielle Innovation ein entscheidender Faktor im Gefecht geworden ist. Die Bundeswehr hat Nachholbedarf – und die Notwendigkeit, das Verhältnis zur Industrie neu zu definieren. Die Veranstaltung des Münchner Arbeitskreises Reserveoffiziere (MAKRO) e.V. und der Industrie- und Handelskammer München hatte genau dieses Ziel unter dem Titel „Innovative Beschaffung für die Bundeswehr – zwischen Recht, Technik und Einsatzrealität“.

Auf dem Panel konnte die Moderatorin Prof. Dr. Rafaela Kraus mit ihren Gesprächspartnern der Frage nachgehen, wie Innovation in die Truppe kommt:
Im Planungsamt erarbeitet Lena Burth mit Firmen Vorschläge und Konzepte, die dann im „Innovationszentrum“ (InnoZBw) unter Führung von Brigadegeneral Michael Bender auf Einsatzreife getestet werden. Genau dieser Prozess werde durch das jüngst verabschiedete Beschleunigungsgesetz massiv unterstützt. So könne die Bundeswehr auch Entwicklungen finanzieren und StartUps wirksam unter die Arme greifen.
Es gebe aber auch die Möglichkeit, innovative Ausrüstung unmittelbar über die Ukraine testen zu lassen, so Oberst Matthias Puschnig von zuständigen Planungsstab. Auf diese Weise fänden erwiesen wirksame und sinnvolle Produkte auch einen schnelleren Weg in die Bundeswehr.

Prof. Dr. Michael Eßig, Logistiker von der Universität der Bundeswehr, betonte, daß das Vergaberecht selbst weder ein Hindernis darstelle, noch der Grund für Verzögerungen bei der Beschaffung sei.
Die Beschaffung stehe aber noch vor ganz anderen Herausforderungen, die nicht auf der Behördenseite liegen. Wurde ein Produkt für gut und sinnvoll befunden, so werde es häufig in großen Stückzahlen bestellt. Die Hersteller stünden dann vor der Herausforderung, es binnen kurzer Zeit in enormen Stückzahlen zu produzieren. Zudem müssten Firmen über viele Jahre Wartung und Ersatzteile bereitstellen – was für StartUps häufig eine neue Dimension in der Planung darstelle.

Auch wenn zivile Innovations-Förderprogramme Dual Use explizit nicht ausschlössen, unterscheide sich Deutschland von Nationen, die bereits länger mit Kriegen Erfahrung haben. In Israel beispielsweise beteilige sich der Staat intensiv an der Förderung von StartUps mit militärischer Ausrichtung. Eine staatliche Investitionskultur in den Verteidigungssektor habe bis in die 1990er Jahre bestanden, wofür Airbus (vormals EADS) und IABG die gute Beispiele seien, müsse aber wieder neu entwickelt werden. Dennoch bestehe die allgemeine Überzeugung, daß der Staat nicht der bessere Unternehmer ist. Insbesondere sei das Thema Risikomanagement im zivilen Sektor besser handhabbar, so Prof. Eßig.
Der Weg für Unternehmen, die Truppe zu beliefern, sei jedoch sehr klar und einfach. Mit dem Planungsamt und dem Innovationszentrum der Bundeswehr habe die Industrie einen agilen Partner, der Innovation schnell voran bringen könne.

Im Anschluß nutzten die zahlreichen Gäste aus der Industrie die Gelegenheit für einen intensiven Austausch mit den Panel-Teilnehmern und zur Vernetzung untereinander.









Fotos: Maximilian Mutzhas
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