New Defence im Weltraum – MAKE IT in Germany?
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7. Mai 2026
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T. Matysik
Wie deutsch wird die neue Bundeswehr-Weltraumarchitektur – und welche Rolle spielt die bayerische Industrie dabei? Dieser Frage ging die MAKRO-Dialog-Arena in den Räumen der IHK München nach, ausgerichtet vom Münchner Arbeitskreis Reserveoffiziere (MAKRO) e.V. in Kooperation mit der IHK München und Oberbayern.
Im September 2025 hatte Bundesverteidigungsminister Pistorius 35 Milliarden Euro für militärische Weltraumprojekte bis Ende 2030 angekündigt – siebenmal der deutsche ESA-Jahresbeitrag. Flankiert wird dies durch Deutschlands erste Weltraumsicherheitsstrategie vom November 2025, die den Weltraum explizit als Kriegsschauplatz definiert. Konkret beschlossen sind bereits das Aufklärungsprogramm SPOCK 1 (1,7 Mrd. Euro, Direktvergabe an Rheinmetall und ICEYE) sowie SatCom BW 4 (10 Mrd. Euro, 100 Satelliten, Erstbefähigung geplant für 2029). Mehrere Redner wiesen darauf hin, dass der Weltraum als fünfte militärische Dimension bereits 2013 in der Konzeption der Bundeswehr verankert war. Neu sei nicht die strategische Erkenntnis, sondern der politische Wille, sie zu finanzieren.
Die schärfste Diskussion des Abends drehte sich um die Frage, wer von den Mitteln tatsächlich profitiert. Historisch zeigt sich ein klares Muster: Bei SatCom BW 1/2, SARAH und SPOCK 1 flossen Milliarden über die Lieferketten der großen Auftragnehmer ins Ausland, kleine und mittlere Unternehmen blieben weitgehend außen vor. Ernst K. Pfeiffer (HPS) warnte eindringlich: „Wollen wir, dass 10, 15, 20 Milliarden davon ins Ausland gehen?“ Ohne klarere politische Vorgaben zur KMU-Beteiligung in Vergabeverfahren werde sich dieses Muster wiederholen. Thomas Grübler (OroraTech) sah dagegen eine KMU-Quote als das falsche Instrument – Konzepte sollten direkt bei Startups und KMU bestellt werden; wer gut liefere, werde zum Hauptauftragnehmer von morgen.
Ein weiteres Leitthema des Abends: Sicherheitspolitik und Wirtschaftspolitik gehören zusammen. „In dem Moment, wo man nicht versteht, dass das zusammengehört, hat man seine Chance vertan“, so Andreas Gundel von bavAIRia. Das Bundesverteidigungsministerium verwalte 15,8 Prozent des Bundeshaushalts 2026 – und könne daher nicht sagen, Industriepolitik sei Sache anderer Ministerien. 60 bis 80 Prozent der europäischen Verteidigungsausgaben flossen 2025 nicht in der EU, was weder wirtschaftlich noch sicherheitsstrategisch nachhaltig sei.
Dr. Thomas Jansen (Kanzlei Heuking, Hauptmann d.R.) legte die rechtlichen Hürden für Startups in der Verteidigungsbeschaffung dar: Vergaberecht, Exportkontrolle, Geheimschutz und IP-Fragen seien grundsätzlich lösbar – aber nur, wenn sie von Anfang an mitgedacht werden. Das Geheimschutzhandbuch stamme aus dem Jahr 1995/2004; Cloud Computing sei darin nicht vorgesehen. Personelle Sicherheitsüberprüfungen dauerten bis zu 18 Monate, ohne bestehenden VS-Auftrag gebe es keine Aufnahme in die Geheimschutzbetreuung – ein klassisches Henne-Ei-Problem. Auf der Finanzierungsseite stellte Hermann Ludwig Möller (European Space Policy Institute) fest, dass die EU Defense Equity Facility mit 175 Millionen Euro einem erkannten Bedarf von 50 Milliarden Euro pro Jahr gegenüberstehe. Solange verlässliche europäische Kapitalquellen fehlten, füllen ausländische Investoren die Lücke – mit Konsequenzen für Souveränität und Kontrolle.
In der Frage der europäischen Kooperation herrschte Ernüchterung: Der Trend gehe klar zur Nationalisierung, IRIS² – sechs Milliarden EU-Mittel, noch kein Vertrag – stehe dafür exemplarisch. Die pragmatische Antwort: nationale Systeme bauen, aber konsequent auf Interoperabilität ausrichten und europäische Standards aktiv in die NATO einbringen, bevor transatlantische Normen de facto zur Norm werden.
Im Anschluss an die Diskussion nutzten die zahlreichen Gäste aus Industrie, Bundeswehr und Politik die Gelegenheit für einen intensiven Austausch mit den Panelisten und zur gegenseitigen Vernetzung.
Sprecher: Lena Stern (OHB) · Ernst K. Pfeiffer (HPS) · Marcus Sonntag (Airbus Defence and Space) · Walter Ballheimer (REFLEX Aerospace) · Thomas Grübler (OroraTech) · Hermann Ludwig Möller (ESPI) · Andreas Gundel (bavAIRia) · Thomas Jansen (Heuking)
Moderation: Oberstlt d.R. Christian Eberle & Lt d.R. Markus Heller









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